
Autor: Rolf Heinzelmann

Alle zwei Jahre stellt der LOGL ein neues fachliches Leitthema vor, das die Verbands- und
Vereinsarbeit unterstützen und wichtige Anregungen geben soll. Für 2011 und 2010 haben wir das
Thema (Blumen)wiese ausgewählt. In den Jahren 2011 und 2012 werden wir uns intensiver mit
diesem Bereich beschäftigen. Der folgende Text soll eine kleine Einführung in das komplexe Thema
geben.
Im allgemeinen Sprachgebrauch umfasst das Wort Wiese oft sämtliches Grünland, was Trockenrasen,
Weiden, Feuchtwiesen und auch Wirtschaftswiesen umfasst.
Diese unterscheiden sich durch verschiedene Standorte, insbesondere aber durch die Nutzung und
dadurch unterschiedliche Pflanzenzusammensetzung.
Im eigentlichen Sinne ist eine Wiese ein regelmäßig geschnittener Pflanzenbestand aus langlebigen
Pflanzenarten, Gräser und Blütenstauden von mehr oder weniger hohem Futterwert. Schon aus dieser
recht groben Beschreibung lässt sich ableiten, dass der Begriff Wiese immer noch ein breites
Spektrum umfasst. Dieses reicht von der extensiven bis zur intensiven Nutzung und vom trockenen
bis zum feuchten Standort.
Generell ist die Wiese der Kulturlandschaft zuzuordnen, da sie vom Menschen genutzt und durch die
Nutzung erhalten wird. Es versteht sich von selbst, dass eine artenreiche Blumenwiese extensiv
bewirtschaftet (genutzt) wird.
Wiesen wurden notwendig, als der Mensch anfing, größere Tiere wie Rinder und Pferde im Stall zu
halten, die er aus klimatischen oder örtlichen Gegebenheiten nicht das ganze Jahr weiden lassen
konnte. Somit wurde es notwendig, für den Winter Raufutter zu bergen.
Es wurde begonnen, Grünflächen ein- oder zwei Mal jährlich zu schneiden und das Grüngut zu
trocknen. Dies wurde schon von den Römern gemacht, fand aber erst ab dem Mittelalter weite
Verbreitung. Der Pflanzenaufwuchs einer Wiese hängt stark vom Standort, also Boden, Niederschlag
und Temperatur ab, aber genauso von der Nutzungsart und -intensität. Dadurch stellt sich an jedem
Standort eine etwas andere Vegetation ein.
Als ökologisch wertvoll wird eine artenreiche Blumenwiese erachtet. Ein Artenreichtum kann aber nur bei eingeschränkter Stickstoffdüngung und nicht zu häufigem und zu frühem Schnitt erreicht bzw. erhalten werden.
| Magerrasen | Wiese | Wiese | Weide | Zierrasen | |
|---|---|---|---|---|---|
| Schnitte | keine | 1 - 2 | 3 – 4 | keine (evtl. 1) | 6 - 10 (oder mehr) |
| Nutzung | naturbelassen | extensiv | Landwirtschaft | Landwirtschaft | Freizeit / Sport |
| Düngung | keine | schwach | nach Bedarf | nach Bedarf | regelmäßig |
| Blütenbildung | X | X | (X) | (X) | - |
| Samenbildung | X | (X) | (X) | (X) | - |
| Artenvielfalt | standorttypische Arten | große Artenvielfalt | vorwiegend stickstoffliebende und frühblühende Arten | vorwiegend trittfeste und ungern gefressene Arten | Wenige Arten v.a. Untergräser |
Durch die hohe Artenzahl trägt eine Blumenwiese zur Erhaltung auch seltener Pflanzen bei, die
Pflanzenzusammensetzung ist immer standortgemäß.
Über 1300 Käfer, Fliegen und Hautflügler, sowie 60 Schmetterlingsarten und 40 Spinnenarten können
hier einen Lebensraum finden. Entsprechende Wiesen bieten Brut-, Rast- und Nahrungsraum für viele
Vögel.
Der Boden beherbergt zahlreiche Kleinlebewesen, viel mehr als z.B. Ackerland, und durch den
permanenten Bewuchs findet kein Bodenabtrag statt, und auch die Nährstoffe werden bei einer
angemessenen Düngung kaum ausgewaschen.
| Deutscher Name | Botanischer Name | Familie |
|---|---|---|
| Wiesenschafgarbe | Achillea millefolium | Compositae |
| Kerbel | Anthriscus sylvestris | Umbelliferae |
| Glatthafer | Arrhenatherum elatius | Graminaceae |
| Gänseblümchen | Bellis perennis | Compositae |
| Wiesenglockenblume | Campanula patula | Campanulaceae |
| Wiesenschaumkraut | Cardamine pratensis | Cruciferae |
| Echter Kümmel | Carum carvi | Umbelliferae |
| Wiesenflockenblume | Centaurea jacea | Compositae |
| Wiesenlabkraut | Galium mollugo | Rubiaceae |
| Wiesenstorchschnabel | Geranium pratense | Geraniaceae |
| Bärenklau | Heracleum sphondylium | Umbelliferae |
| Wolliges Honiggras | Holcus lanatus | Graminaceae |
| Wiesenplatterbse | Lathyrus pratensis | Leguminosae |
| Margerite | Leucanthemum vulgare | Compositae |
| Pfennigkraut | Lysimachia nummularia | Primulaceae |
| Milchstern | Ornithogalum umbellatum | Liliaceae |
| Pastinake | Pastinaca sativa | Umbelliferae |
| Große Bibernelle | Pimpinella major | Umbelliferae |
| Spitzwegerich | Plantago lanceolata | Plantaginaceae |
| Kleine Braunelle | Prunella vulgaris | Labiatae |
| Scharfer Hahnenfuß | Ranunculus acris | Ranunculaceae |
| Wiesensauerampfer | Rumex acetosa | Polygonaceae |
| Knöllchen-Steinbrech | Saxifraga granulata | Saxifragaceae |
| Tag-Lichtnelke | Silene dioica | Caryophyllaceae |
| Löwenzahn | Taraxacum officinale | Compositeae |
| Wiesen-Bocksbart | Tragopogon pratensis | Compositae |
| Weißklee | Trifolium repens | Leguminosae |
| Baldrian | Valeriana officinalis | Valerianaceae |
| Faden-Ehrenpreis | Veronica filiformis | Scrophulariaceae |
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