
Autor: Rolf Heinzelmann


Bei der Auswahl der Sorten sollte man robuste Sorten für den Hausgarten bevorzugen. Sehr zu empfehlen ist die Erziehung am Drahtspalier, da sich die Beeren wesentlich leichter pflegen und ernten lassen. Was den Boden betrifft ist das Strauchbeerenobst relativ anspruchslos. Anhaltende Trockenheit besonders während der Reifezeit wird allerdings schlecht vertragen. Schwere und nasse Böden sind insbesondere für Himbeeren ungeeignet.
Das Beerenobst ist eine Bereicherung für jeden Garten. Besonders Kinder naschen gerne von den Beeren, die mit ihren vielen wertvollen Inhaltsstoffen auch einen wichtigen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten. So kann das Strauchbeerenobst positiv dazu beitragen, die Jugend für den Garten zu interessieren.

Die Stachelbeere bevorzugt mittelschwere, humose Böden. Staunässe und anhaltende Trockenheit sind zu vermeiden. Die Beeren sind reich an bioaktiven Substanzen.
Im Garten sollten ausschließlich mehltauresistente Sorten verwendet werden. Die Stachelbeere kann als Hochstämmchen oder am Draht erzogen werden. Sie trägt an einjährigen Lang- und Kurztrieben. Der Schnitt dient neben der Verjüngung auch der Förderung der Fruchtgröße und der Ernteerleichterung. Ein jährlich kräftiges Auslichten ist notwendig – nach dem Grundsatz: „Wer schneidet, muss auch ernten!“

Johannisbeeren wachsen auch noch in höheren Lagen, bei schlechteren Bodenverhältnissen und im Halbschatten ausreichend. Besonders in rauen Lagen sollte aber auf geschützte Standorte geachtet werden, da durch die frühe Blüte Spätfrostschäden möglich sind. Das Pflanzgut für normale Sträucher sollte 5-6 gesunde Triebe aufweisen. Es hat sich bewährt, die Jungpflanzen 5-10 cm tiefer zu setzen als sie in der Baumschule standen. Beim Pflanzschnitt werden die Triebe um die Hälfte bis Zweidrittel eingekürzt. Je Strauch sollten 6-8 Haupttriebe herangezogen werden. Auch für Johannisbeeren ist die Erziehung am Drahtgerüst vorteilhaft. Während Schwarze Johannisbeeren nur an einjährigen Langtrieben tragen, fruchten rote auch am älteren Holz. Besonders bei Roten Johannisbeeren bestehen große Unterschiede in den Wuchseigenschaften der einzelnen Sorten, die beim Schnitt mit berücksichtigt werden sollten. Ältere Sträucher können bereits gleich nach der Ernte im Sommer ausgelichtet werden.

Brombeeren bevorzugen einen sonnigen Standort und vertragen Trockenheit weitaus besser als andere Beerenobstarten. Allerdings besteht eine gewisse Frostempfindlichkeit der Ranken, die ab ca. -15° C erfrieren können. Eine Erziehung am Drahtgerüst ist, besonders bei rankenden Brombeeren, erforderlich. Aus Gründen der Übersichtlichkeit heftet man die Tragranken auf die eine und die Jungranken auf die andere Seite. Für den Garten ist als stachellose Sorte besonders Loch Ness empfehlenswert.

Himbeeren bevorzugen als ursprüngliche Waldpflanze einen luftdurchlässigen, humosen, leicht sauren Boden. Auch im Garten ist eine Erziehung am Drahtspalier sinnvoll. Das Gerüst besteht aus 2-3 Spanndrähten, wobei sich der oberste in 1,50 m Höhe befindet. Frisch gepflanzte Himbeeren werden auf 40-50 cm zurückgeschnitten, um die Wurzelknospen zu kräftigen, die für die Nachlieferung von neuen Ruten verantwortlich sind. Himbeeren lieben eine Mulchschicht aus organischem Material, auf tiefe Bodenbearbeitung und starke Trockenheit reagieren sie aber sehr empfindlich.

Im Gegensatz zur heimischen Waldheidelbeere stammt die Kulturheidelbeere von nordamerikanischen Wildarten ab. Die Sträucher können beachtliche Höhen erreichen und liefern neben schmackhaften Früchten eine reizvolle Herbstfärbung. Wie bei allen Moorbeetpflanzen ist ein humoser Standort mit niedrigem ph-Wert erforderlich. Die Kulturheidelbeere gehört zu den wenigen Strauchbeerenarten, die für eine Topfkultur sehr gut geeignet und sogar zu empfehlen ist. Im Garten hat sich auch ein Pflanzen in Töpfen bewährt. Das Substrat kann aus einer Mischung aus Rhodohum, Sand und Sägemehl aus Fichte/Tanne bestehen. Allerdings sollten die Töpfe einen Durchmesser von wenigstens 45 cm aufweisen und auf gleichmäßige Wasserzufuhr ist zu achten. Als Dünger kann handelsüblicher Rhododendrondünger verwendet werden. Der Schnitt beschränkt sich auf das gelegentliche Auslichten älterer Triebe.

Die großfrüchtigen Kiwi (Actinidia chinensis) haben sehr hohe Ansprüche an Boden und Klima, die sie auf einen Anbau in ausgesprochenem Weinbauklima beschränken.Eine echte Bereicherung im Gartenobstbau stellt die kleinfrüchtige und frostharte Actinidia arguta in Sorten dar. Ihr Geschmack erinnert an Stachelbeeren, sie muss nicht geschält werden und entfaltet ihr volles Aroma erst nach kurzer Frosteinwirkung. In der Regel sind auch die „kleinen“ Kiwis zweihäusig und benötigen männliche Pflanzen zur Befruchtung. Ein gut geeigneter Befruchter ist die Sorte Nostino. Die Kiwi fruchtet ähnlich wie Weinreben an der Basis von einjährigen Trieben. Als Kletterpflanze braucht sie eine Rankhilfe und kann als nicht alltäglicher Sichtschutz auf der Terrasse verwendet werden. Ein zu später Schnitt im Frühjahr verursacht wie bei Walnüssen oder Weinreben starkes Bluten.
Beerenobst ist reich an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen (u.a. Ballaststoffe, Vitamine), die eine wichtige Ergänzung für eine ausgewogene Ernährung sind. Neben dem Frischverzehr und den klassischen Verwertungsmöglichkeiten (Kompott, Gelee und Konfitüren, Kuchen und Aufläufe), können die Beeren auch zu Saft und Likör verarbeitet werden. Getrocknet werden die Früchte und teilweise die Blätter in Teemischungen verwendet.
| Beerenobstart | Sorte | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Stachelbeere | Rokula | Rot, mehltaufest, großfrüchtig, Ertrag mittel, guter Geschmack, Reifezeit früh. |
| Stachelbeere | Invicta | Hellgrün, mehltaufest, starkwachsend und bestachelt, Fruchtgröße mittel, aromatisch |
| Rote Johannisbeere | Jonkheer van Tets | Sehr früh, wohlschmeckend, guter Ertrag, ideal für Spaliererziehung, neigt zum Verrieseln |
| Rote Johannisbeere | Rovada | Sehr lange Trauben, guter Geschmack, Reifezeit spät, wächst etwas schwach |
| Schwarze Johannisbeere | Neva | Sehr robuste, frühe Sorte, guter Geschmack, neigt etwas zum Verrieseln |
| Schwarze Johannisbeere | Ometa | Robust, starkwachsend, fruchtbar, für die Erziehung am Drahtspalier geeignet, mittelfrüh |
| Brombeere | Loch Ness | Stachellos, wenig anfällig, feste Frucht, fruchtbar |
| Himbeere | Tulameen | Robust, großfrüchtig, aromatisch, mittelfrüh |
| Himbeere | Himbo-Top | Herbsthimbeere, Ernte ab Mitte August, guter Geschmack, hohe Erträge |
| Heidelbeere | Bluecrop | Große Beeren, frosthart, guter Geschmack, weniger empfindlich gegen Trockenheit |
| Kiwi | Weiki | Frosthart, hohe Erträge, Reife ab Mitte Oktober |
| Kiwi | Issai | Selbstfruchtbar, relativ frosthart (Schutz gegen Frühjahrsfröste), Reife ab Mitte September |
aid 1351/ 2004: Welches Obst für meinen Garten, aid infodienst
Buchter, H.: Obst – Die besten Sorten für den Garten, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
LVWO Weinsberg: Sortenbeschreibung Beerenobst, LVWO Weinsberg
Metzner, R.: Das Schneiden der Obstbäume u. Beerensträucher, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
Mühl, F.: Beerenobst und Wildfrüchte, Bayrischer Gartenbauverlag
Needon, Ch.: Wildfrüchtebüchlein, Verlag für die Frau, Leipzig
Schmid, H.: Obstbaumschnitt – Kern-, Stein-, Beerenobst, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
Stoll/Gemminger: Besondere Obstarten, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart