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Fachliches Leitthema 2007 und 2008: Nützlinge im Garten

Autor: Rolf Heinzelmann

Abbildung 1: Hausrotschwanz
Abbildung 1: Hausrotschwanz

Das fachliche Leitthema des LOGL für 2007 und 2008 beschäftigt sich mit den Nützlingen im Garten. Als Nützlinge bezeichnet man die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge. Grundsätzlich unterscheidet man Räuber und Parasiten. Bei den Insekten, Spinnentieren, Säugetieren, Vögeln, Kriechtieren, Lurchen aber auch Nematoden, Pilzen, Viren und Bakterien findet man Vertreter der Nützlinge. Ohne gezielte Förderung stellen sich diese wichtigen Helfer in der Regel aber nicht im Garten ein. Sie müssen einen Lebensraum vorfinden, der Ihnen zusagt und brauchen eine Nahrungsgrundlage, sowie Vermehrungs- und Überwinterungsplätze. In einem vielfältigen, naturnahen Garten sind diese Voraussetzungen am ehesten gewährleistet. Durch gezieltes Aufhängen von Nisthilfen, dies gilt insbesondere für Vögel, wie Meisen und Hausschwänze, kann man die Ansiedelung beschleunigen.

Auf jeden Fall sollten bereits bei der Gartenplanung Rückzugsbereiche, wie Laub- und Reisighaufen oder eine Wildgehölzhecke, vorgesehen werden. Laufkäfer brauchen zum Beispiel eine Laubschicht, in der sie sich zurückziehen und dort überwintern können. Florfliegen und Schwebfliegen ernähren sich als erwachsene Tiere von Blütenpollen, nur die Larven fressen Blattläuse. Ohne einen reichen Blütenflor an Gehölzen, Stauden, ein- und zweijährigen Frühjahrs- und Sommerblumen werden sich diese Nützlinge nicht einfinden.

Abbildung 3: Florfliege
Abbildung 3: Florfliege

Ursprünglich bedeutet Pflanzenschutz, die Pflanzen vorbeugend gegen den Befall von Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Hierzu sollen alle Faktoren und Maßnahmen eingesetzt werden, die - auch ohne Einsatz von chemischen Mitteln - ein gesundes und kräftiges Wachstum der Pflanzen möglich machen. Die Pflanze muss optimale Wachstumsbedingungen vorfinden, um gedeihen zu können. Schlechte Pflanzenqualität und ungünstige Standortbedingungen können nicht durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kuriert werden. Erst wenn vorbeugende Maßnahmen einen Schädlings- oder Krankheitsbefall nicht verhindern können, sollte zu umweltgerechten (zugelassenen) Pflanzenschutzmitteln gegriffen werden. Bei der Wahl der Pflanzenschutzmittel ist unbedingt auf Nützlingsschonung zu achten! Eine Vielfalt verschiedener Pflanzen und Tiere im Garten wirkt einer Massenverbreitung bestimmter Krankheiten und Schädlinge entgegen und fördert die Nützlinge.

Florfliege

Nur die Larven der Florfliege fressen Blattläuse. Als weitere Nahrungsquelle dienen aber auch Spinnmilben, Thripse und Schmierläuse. Die erwachsenen Tiere sind zur Ernährung auf Blütenpollen und Nektar angewiesen. Die Florfliege hat netzartige, grüne Flügel und legt ihre Eier auf Stielen ab. Die Larven sind braun gesprenkelt und etwa 10 mm groß. Am Kopf der Larve befinden sich zwei Greifzangen.

Schwebfliege

Abbildung 5: Schwebfliege
Abbildung 5: Schwebfliege

Schwebfliegen tarnen sich als Wespen. Das erwachsene Insekt ernährt sich von Nektar und Pollen. Die Fliegen werden magisch von der Farbe Gelb angelockt. Dies ist ebenfalls bei der Aufhängung von Gelbtafeln zu berücksichtigen. Die Weibchen legen ihre Eier mitten in Blattlauskolonien ab. Die Schwebfliegen können als Larven, Puppen oder begattete Weibchen überwintern.

Schlupfwespe

In Europa gibt es etwa 10.000 Schlupfwespenarten, die sich alle auf bestimmte Opfertiere spezialisiert haben und zu den Parasiten zählen. Sie stechen mit ihrem langen Legestachel in den Körper anderer Insekten wie z.B. Blattläusen, in Eier, Puppen und Raupen von Schmetterlingen und legen dort ihre eigenen Eier ab. Die schlüpfenden Larven fressen ihren Wirt von innen her auf, verpuppen sich und verlassen durch eine gebohrte Öffnung ihr Opfertier als fertige Schlupfwespe. Parasitisierte Blattläuse sind gut an diesem Ausschlupfloch zu erkennen.

Gemeiner Ohrwurm

Abbildung 7: Gemeiner Ohrwurm
Abbildung 7: Gemeiner Ohrwurm

Ohrwürmer sind nachtaktiv und verbringen den Tag in einem dunklen Versteck. Auf dem Speisezettel stehen Blattläuse, Insekten, Milben und deren Eier. Sie fressen aber auch gelegentlich an Früchten und Blättern, dies besonders in Trockenperioden. Die weit verbreiteten „Ohrwurmtöpfe“, also Tontöpfe gefüllt mit Holzwolle, dürfen nicht frei herunterhängen, sondern brauchen eine Berührung mit dem Stamm oder Ast. Der Vorteil der „Ohrwurmtöpfe“ besteht darin, dass man sie bei Bedarf in Bäume mit Blattlauskolonien hängen kann, treten Schäden an Früchten auf, können die Tontöpfe dort entfernt werden.

Marienkäfer

Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist der bekannteste und häufigste Marienkäfer. Das Kuratorium „Insekt des Jahres“ hat den Siebenpunkt-Marienkäfer zum Insekt des Jahres 2006 gewählt. Besonders Kinder mögen den kleinen Käfer sehr, den sie gerne über ihre Hand krabbeln lassen und dann erwartungsvoll den Start in die Luft verfolgen. Die 7 Punkte auf den Flügeldecken des Käfers sollen zwar Glück bringen, haben aber mit dem Alter nichts zu tun. Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist ein wichtiger Nützling im Garten. Sowohl die Larvenstadien, wie auch der erwachsene Käfer fressen Blattläuse. Die Käfer legen kleine, stiftförmige, gelbe Eier in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Sie stürzen sich sofort auf die Blattläuse und bis zum Ende ihres Larvenstadiums werden einige hundert dieser Schädlinge vertilgt.

Laufkäfer

Abbildung 9: Laufkäfer frisst Nacktschnecke
Abbildung 9: Laufkäfer frisst Nacktschnecke

Die nachtaktiven Laufkäfer zählen zu den wichtigsten Nützlingen. Im Garten sind sie ein unentbehrlicher Helfer gegen Schadinsekten und Schnecken. Sowohl der erwachsene Käfer, wie auch seine Larven, sind räuberisch. In Gärten ohne Kraut- und Laubschicht kann sich der Laufkäfer nicht halten, da ihm so Unterschlupf- und Überwinterungsmöglichkeiten fehlen. Besonders gegen die kleinen Nacktschnecken ist der Laufkäfer wirkungsvoll.

Spitzmaus und Igel

Auch die sehr nützliche Spitzmaus ist auf einen geschützten Lebensraum angewiesen. Wer diesen im Garten anbietet, kann sie auf ihren abendlichen Raubzügen beobachten. Sie frisst alle Schädlinge, die ihr über den Weg laufen. Mit Hilfe ihrer langen Schnauze holt sie selbst noch Insekten aus den kleinsten Schlupfwinkeln.

Der Igel als unermüdlicher Schnecken- und Insektenfresser, findet leider in vielen Gärten keinen Zugang. Bis auf den Boden reichende und dicht schließende Zäune, aber auch unnötige Betonmäuerchen und Zaunsockel, verwehren ihm den Zutritt. Schon eine Handbreit Abstand zwischen Boden und Zaun öffnet ihm das Jagdrevier.

Spinnentiere

Abbildung 11: Weberknecht
Abbildung 11: Weberknecht

Vor allem Spinnen sind sehr effektive Jäger. Ihnen gehen vor allem zahlreiche fliegende Schädlinge ins Netz. Es gibt aber auch Exemplare, die ohne Netz jagen, wie die Krabbenspinne oder der Weberknecht. Der Weberknecht ist nachts eifrig damit beschäftigt, kleinere Insekten, Fliegen oder auch Spinnmilben zu verzehren. Für einige Spinnenarten, die selbst noch im Winter die Jagd auf Gehölzen fortsetzen, dauert die „Saison“ nahezu das ganze Jahr.

Blindschleiche

Die Blindschleiche ist ca. 40-48 cm lang und kann ausgezeichnet sehen. Sie gehört zur Familie der Eidechsen (keine Schlange). Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Schnecken und Regenwürmern. Blindschleichen überwintern in unterirdischen Quartieren, die sie oft schon im März verlassen. Im Mai erfolgt die Paarung und nach drei Monaten legt das Weibchen Eier, aus denen unmittelbar die etwa 7 cm langen Jungtiere schlüpfen.

Vögel

Vögel sind für das biologische Gleichgewicht des Gartens von besonderer Bedeutung. Höhlenbrütende Meisen, Wendehals, Kleiber und Baumläufer sind auf Nisthilfen angewiesen. Der Hausrotschwanz, als Halbhöhlenbrüter, nistet gerne auf dem Gebälk unter Dachvorsprüngen. Auch für ihn gibt es passende Nistkästen. Die Nistkästen sollten nach der Brut regelmäßig gereinigt werden. Hecken aus Wildobstgehölzen bieten vielen Singvögeln Schutz und regen zum Nisten an. Eine abwechslungsreiche Bepflanzung des Gartens aus beerentragenden Gehölzen, sowie samenbildenden Stauden und Einjahresblumen, aber auch eine mit Kleinlebewesen besiedelte Heckenpflanzung, bietet gute Entwicklungsmöglichkeiten für Vögel und andere Nützlinge. Im Sommer nehmen Vögel gerne ein Bad, das für die Temperaturregelung lebenswichtig ist. Eine flache Schale oder ein Stein mit einer muldenförmigen Vertiefung reicht dazu aus.

Nützlingsförderung im Garten setzt ein gewisses Umdenken voraus, bereichert aber den Horizont des Gartenbesitzers und führt letztlich zum Erfolg. Hilfreich ist der Einsatz einer Lupe mit 10-facher Vergrößerung, um das Erkennen der Nützlinge zu erleichtern. Für die Kinder und Jugendarbeit ist das Thema „Nützlinge im Garten” hervorragend geeignet.

Bezugsquellen für Nützlinge(Auswahl)

Weiterführende Literatur zum Thema Nützlinge:

Internetadressen:

Hinweise zu Schad- und Nutzorganismen und praxisnahe Tipps zur Förderung von Nützlingen im Garten finden Sie beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg, www.LTZ-Augustenberg.de
Fragen zum Thema Nützlinge senden Sie an: Pflanzenschutz.Schaedlinge@ltz.bwl.de