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Die Sortenerhaltungszentrale für Kernobst des Landes Baden-Württemberg

Über Jahrtausende hinweg hat der Mensch aus den in der Natur vorkommenden Tier- und Pflanzenarten Sorten mit für ihn wichtigen, positiven Eigenschaften ausgewählt und diese gezielt weiter vermehrt. Die zunächst eher zufällige Auswahl wurde erst später durch gezielte Züchtung ersetzt.

Die Folge im Obstbau war eine große Sortenvielfalt bedingt durch viele Zufallssämlinge.

Obstwiese

Die gängige Form des Obstbaus war früher der Hochstammobstbau, dessen Sortenvielfalt durch den Generalobstbauplan im Jahre 1957 ein Ende fand. Diese so genannte Neuordnung des Obstbaus hatte zum Ziel, den deutschen Obstbau auch gegenüber dem Ausland markt- und wettbewerbsfähig zu machen.

Der erwerbsmäßig tätige Obstbaubetrieb musste sich am Handel orientieren und da sich eine unübersichtliche Sortenvielfalt schlechter vermarkten lässt und auch arbeitswirtschaftlich sehr aufwändig ist, sind nur noch vergleichsweise wenige neuere Marktsorten übrig geblieben. Alte Sorten haben nur noch in der Direktvermarktung eine gewisse Bedeutung und sind meist nur noch in den Streuobstbeständen zu finden. Die Obstsortenvielfalt ist daher eng verbunden mit der Streuobstkultur, die auch einen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sicherstellt.

Die Streuobstbestände in Baden-Württemberg gehen aufgrund von Flächenverbrauch, fehlender wirtschaftlicher Anreize, mangelnder Pflege und fehlender Neupflanzungen bzw. Überalterung stark zurück. Mit dem Rückgang ist ebenfalls der Verlust dieser alten Obstsorten verbunden.

Durch den Verlust von alten Obstsorten droht ein Verlust an genetischer Vielfalt und regionaler Identität. In der Arbeitsgruppe Streuobst des Landesverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL) wurde ein Sortenerhaltungskonzept entwickelt mit dem ersten wichtigen Ziel, eine zentrale Erfassung alter Obstsorten in Baden-Württemberg zu erreichen.

Dieses Konzept wurde dem Ministerium für Ländlichen Raum vorgestellt und durch die Finanzierungszusage des Ministeriums konnte die Sortenerhaltungszentrale für Baden-Württemberg im Mai 2001 an der Universität Hohenheim am Institut für Obst-, Gemüse- und Weinbau eingerichtet werden.

Seit Oktober 2006 ist die Sortenerhaltungszentrale als Daueraufgabe an das Kompetenzzentrum für Obstbau (KOB) in Bavendorf übertragen worden. Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum hat dafür entsprechende Finanzmittel zur Verfügung gestellt.

Ausschlaggebend für die Fortführung der Sortenerhaltungszentrale war die Zusage des LOGL, sich an der Finanzierung der Einrichtung mit jährlich 5.000 € zu beteiligen.

Die Sortenerhaltungszentrale kann unsere Mitglieder bei der Sortenauswahl und Edelreiserbeschaffung unterstützen, bestehende Sortenmuseen auf „Richtigkeit“ überprüfen, beim Aufbau von Obstsortenausstellungen behilflich sein und unbekannte Sorten bestimmen. Eine ganz wichtige Aufgabe ist auch die Beurteilung der Fruchteigenschaften im Hinblick auf verschiedene Verwertungsmöglichkeiten.

Neben der Apfelsaftproduktion konnten von der Sortenerhaltungszentrale und der Universität Hohenheim schon mehrfach Sortenempfehlungen für eine Verwertung als Destillat, als Schaumwein oder als Dörrprodukt mit Erfolg umgesetzt werden.

Apfelsaft

Durch Informationen über den Gesundheitswert, aber auch den Genuss von verschiedenen Streuobstprodukten kann das Bewusstsein und das Interesse für den Streuobstbau gefördert werden. Auch dadurch leistet die Sortenerhaltungszentrale einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer heimischen Streuobstwiesen.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Sortenerhaltungszentrale sieht der LOGL in der Aus- und Weiterbildung von interessierten Mitgliedern aus den Obst- und Gartenbauvereinen und Fachwarten für Obst- und Garten im Bereich Sortenerkennung und Sortenbestimmung

Der LOGL strebt eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit den Herren Dr. Büchele, Dr. Mayr und Eckhart Fritz an und dankt dem Ministerium für Ländlichen Raum für die Möglichkeit der Fortführung der Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg.

Rolf Heinzelmann, LOGL